Blattjagd – zum richtigen Zeitpunkt fiepen
Passionierte Rehwildjäger werden spätestens ab Anfang-Mitte Juli unruhig. Die Brunft des Rehwildes steht bevor. Doch wann ist der beste Zeitpunkt, um zu blatten?
Fotomontage: Markus Lück
Fragt man verschiedene Jägerinnen bzw. Jäger nach ihren Strategien für die Blattzeit wird man teils sehr unterschiedliche Antworten bekommen. Während die einen bereits ab Mitte Juli ausgerüstet mit Blatter, Pirschstock und Waffe losziehen, um Rehböcke zu bezirzen, gehen andere erst ab dem 10. August los. Doch wann ist eigentlich der beste Zeitpunkt, um in der Blattzeit einen Rehbock heranzublatten und schließlich zu erlegen?
Die eine richtige Antwort lässt sich an dieser Stelle nicht geben, denn nicht jedes Jahr ist gleich. So kann es sein, dass in dem einen Jahr bereits ab dem 15. Juli Brunftbetrieb im Rehwildbestand zu beobachten ist, während in einem anderen Jahr erst ab Ende Juli Böcke weibliche Stücke durchs Revier treiben. Weiterhin ist das Blattjagdgeschehen sehr stark davon abhängig, wo man jagt. Beispielsweise in Bergrevieren in Bayern bzw. Österreich findet die Blattzeit des Rehwildes tendenziell etwas später statt als in Revieren in der Rheinebene. Um den optimalen Zeitpunkt für die Blattjagd zu treffen, ist es deshalb von Vorteil, das Revier und damit den zu bejagenden Rehwildbestand zu kennen. Ist der Jäger regelmäßig im Revier, wird er mitbekommen, wann sich das Verhalten von weiblichen Stücken und Rehböcken verändert. Erste zaghafte Annäherungsversuche von Böcken an Ricken oder Schmalrehe sind häufig bereits ab Anfang Juli zu beobachten. Insbesondere junge Böcke testen zu dieser Zeit bereits, ob sie bei einem weiblichen Stück zum Zug kommen. Denn während der eigentlichen Brunft werden sie in der Regel keine Chance haben, da ältere Platzböcke das Brunftgeschehen für sich beanspruchen.
Ab etwa dem 15. Juli sind nach meinen Erfahrungen bereits regelmäßig Rehböcke in der Näher von weiblichen Stücken zu beobachten. Häufig treiben sie dann bereits Ricken oder Schmalrehe. Zum Beschlag kommt es zu dieser Zeit jedoch nur selten. Die weiblichen Stücke sind meist noch nicht brunftig. Jägerinnen und Jäger können dies nutzen. Da die Böcke zu dieser Zeit in der Regel noch nicht zum Zug kommen und fest bei einem weiblichen Stück stehen, lassen sie sich häufig mit dem Blattjagdinstrument zum Zustehen bewegen. Ich blatte bereits ab etwa dem 20. Juli. Zu Anfang teste ich dies im Rahmen von „normalen“ Ansitzen. Bekomme ich dabei die Bestätigung durch einen zustehenden Bock, versuche ich es auch mal tagsüber auf den zuvor eingerichteten Blattjagdständen. Nach meiner Erfahrung ist diese Anfangszeit der Brunft eine sehr erfolgsversprechende Zeit. Gegen Ende Juli/Anfang August nimmt der Erfolg dann häufig ab. Die Zahl brunftige Ricken und Schmalrehe im Revier nimmt stetig zu. Nur selten sind Platzböcke deshalb zu dieser Zeit allein zu treffen. Fieplaute lassen sie deshalb häufig kalt. Mit dem Kitzfiep kann man dann jedoch Beute machen. Denn steht das weibliche Stück auf den Fieplaut hin zu, folgt der Bock in der Regel immer unmittelbar. Im Übrigen stehen nicht nur führende Ricken auf den Kitzfiep zu, auch Schmalrehe nähern sich häufig dem fiependen Jäger. Der Instinkt ist anscheinend so stark verankert, dass selbst Stücke ohne Nachwuchs dem hohen Fieplaut nicht widerstehen können.
Je nach Brunftverlauf haben die Rehböcke in der Regel bis etwa zum 7. bis 10. August alle Läufe voll zu tun, um die weiblichen Stücke in ihrem Territorium zu beschlagen. Bis dahin lassen sie sich deshalb häufig nicht sehr gut heranblatten. Nach dieser Hochphase in der Brunft, folgt eine zweite sehr erfolgversprechende Phase für den Jäger. Denn ist der Großteil der weiblichen Stücke beschlagen, sind die Rehböcke wieder zunehmend allein unterwegs. Doch den zärtlichen Fieplauten eines vermeintlich brunftigen Stücks in ihrem Territorium können sie noch immer nicht widerstehen. Böcke stehen in dieser Phase der Brunft deshalb häufig sehr energisch zu. Bis etwa zum 15. August stehen nun die Chancen für Jägerinnen und Jäger sehr gut, um einen Rehbock auf der Blattjagd zu überlisten. Ab Mitte August nimmt der Brunftbetrieb merklich ab und auch die Böcke reagieren nur noch sporadisch und häufig sehr träge auf das Fiepen aus einem Blattjagdinstrument.
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