Jährlinge und Schmalrehe ansprechen – Tipps und Tricks

Jährlinge und Schmalrehe ansprechen – Tipps und Tricks

Jährlinge und Schmalrehe ansprechen – Tipps und Tricks

Zu Beginn der Jagdzeit auf Rehwild im April bzw. Mai setzen zahlreiche Jäger auf die Bejagung von Schmalrehen und Jährlingen. Wie diese Stücke sicher angesprochen werden können, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Ein einjähriger Rehbock steht auf einer Wiese

Foto: Markus Lück

Endlich! Die lange Zeit des Wartens ist vorbei – die Jagdzeit auf Rehwild läutet vielerorts den Beginn der aktiven Jagdzeit des neuen Jagdjahrs ein. Seit einigen Jahren ist es in ausgewählten Bundesländern erlaubt, bereits im April auf Rehböcke und Schmalrehe zu jagen. Spätestens aber ab 1. Mai ist es dann aber in allen Bundesländern erlaubt. Rehböcke und Schmalrehe haben Jagdzeit und dürfen nun bejagt werden. Zahlreiche Jäger setzen zu Beginn der Jagdzeit den Schwerpunkt bei der Rehwildbejagung auf Schmalrehe und Jährlinge. Und dafür gibt es gute Gründe! Vor allem bei Schmalrehen spricht aus meiner Sicht sehr viel für den frühen Eingriff.

Schmalrehe lassen sich zu Beginn der Jagdzeit im April bzw. Anfang Mai sehr gut ansprechen. Selbst unerfahrene Jäger können die einjährigen weiblichen Stücke zu dieser Zeit gut erkennen. Im weiteren Verlauf des Jahres wird das immer schwieriger. Denn mit fortschreitendem Alter werden Schmalrehe im Aussehen den Ricken immer ähnlicher. Und auch der Vergleich zu den hochtragenden Ricken im April bzw. Mai macht das Ansprechen zu Beginn der Jagdzeit deutlich leichter. Haben die Ricken erst einmal gesetzt und dann auch noch verfärbt, sind die Unterschiede nicht mehr sehr groß. Und mit zunehmender Selbstständigkeit der Kitze kommt es im fortschreitenden Jahr dann auch immer häufiger vor, dass Ricken ohne ihren Nachwuchs austreten. Ein adultes, weibliches Reh im Herbst oder Winter anzusprechen fällt dann deutlich schwerer, als im April und Mai.

Weiterer Aspekt für die frühe Bejagung von Jährlingen und Schmalrehen ist die hohe Sichtbarkeit des Wildes zu dieser Zeit im Jahr. Alle Wildtiere sind in den Frühlingsmonaten äußerst aktiv. Die frische Äsung auf den saftig grünen Wiesen sowie auf den Feldern und auch die frischen Triebe im Wald locken auch das Rehwild nahezu magisch an. Der Jäger kann zu dieser Zeit effektiv Beute machen.

Bei den Jährlingen spielt zudem die Territorialität bzw. Rivalität zu anderen Böcken eine Rolle bei der Sichtbarkeit der einjährigen Böcke. Zwar kann es durchaus sein, dass ein mehrjähriger Platzbock einen einjährigen Jüngling in seinem Revier duldet. Doch das muss keinesfalls so sein. Denn Rehwild ist in den Frühlings-, Sommer- sowie Herbstmonaten eine äußerst territorial lebende Wildart. Lebensräume werden klar abgesteckt und beispielsweise durch Plätzen und Fegen markiert. Eindringende Rivalen werden nicht geduldet und teils heftig vertrieben. In offener Feldflur kann dies im Frühjahr gut beobachtet werden. Hier habe ich bereits mehrfach beobachtet, wie ein mehrjähriger Rehbock einen Jüngling über mehrere Hundert Meter langanhaltend durch die Gegend gejagt hat. Im Übrigen lässt sich dieses Verhalten auch teils bei weiblichen Stücken beobachten. Ricken verteidigen ihr Territorium gegenüber anderen weiblichen Stücken auch teils. Und sie sind dabei häufig genauso energisch wie die Rehböcke.

Durch dieses ausgeprägte Territorialität kommt es deshalb im Verlaufe des späten Frühjahrs und Sommer dazu, dass Jährlinge und Schmalrehe häufig ihre Lebensräume wechseln und dann von heute auf Morgen von ihren angestammten Plätzen verschwinden. Ein lange ausgeguckter Jährling kann deshalb plötzlich in einer ganz anderen – vermutlich aus Lebensraumsicht – weniger attraktiven Ecke auftauchen. Um nun Anfang Mai bei Jährlinge zuzuschlagen, muss der Jäger diese sicher ansprechen. Im Folgenden verrate ich euch deshalb meine Tipps und Tricks, um Jährlinge und Schmalrehe sicher anzusprechen.

Verfärben

Ein sehr markantes Merkmal von Jährlingen und Schmalrehen im April und Mai ist der Stand des Verfärbens. In aller Regel verfärben junge Stücke und damit auch Schmalrehe und Jährlinge vor den mehrjährigen Böcken und Ricken. Schmalrehe und Jährlinge zeigen deshalb im April und Mai häufig schon eine „struppige“ Decke, die stellenweise am Wildkörper bereits vom Winter- zum Sommerhaar wechselt. Im Laufe des Mais tragen Jährlinge und Schmalrehe dann häufig schon bereits am ganzen Wildkörper die leuchtend rote Sommerdecke, während vor allem Ricken noch oft am gesamten Wildkörper die fahlgraue Winterdecke tragen. Bedingt durch das Setzen der Kitze und anschließende Laktieren wird bei den Ricken eine Großteil der Energiereserven und Nährstoffe dafür aufgewendet und steht somit für den Haarwechsel nicht zur Verfügung. Sie hinken deshalb im Haarwechsel den Schmalrehen deutlich hinterher. Doch auch mehrjährige Rehböcke sind häufig noch im gesamten Mai fahlgrau gefärbt und tragen somit ihre Winterdecke. Doch keine Regel ohne Ausnahme! Es gibt natürlich auch immer mal wieder mehrjährige Stücke, die früh Verfärben. Ein sicheres Ansprechen kann somit immer nur durch die Berücksichtigung mehrerer Merkmale erfolgen.

Zwei Rehe stehen auf einer Wiese im Frühjahr

Foto: Markus Lück

Jährlinge sind noch im Bast

Für das Ansprechen von Jährlingen im April und Mai kann auch der Zustand des Gehörns zu Rate gezogen werden. Jährlinge tragen zu Beginn der Jagdzeit im April sowie auch Anfang Mai noch ihr Bastgehörn. Sie haben zu diesem Zeitpunkt in aller Regel noch nicht verfegt. Mehrjährige Böcke fegen teils bereits Ende Februar bzw. Anfang März und tragen in aller Regel im Mai ein gefegtes Gehörn auf dem Haupt. Die Stärke des Gehörns kann zwar auch als weiteres Ansprechmerkmal genutzt werden. Im Vergleich zum Fegezeitpunkt ist dies jedoch deutlich unsicherer. Ich würde es deshalb als Indiz im Ansprechprozess bezeichnen. Die Stärke des Gehörns hängt eng mit der Güte des Lebensraums und damit der Verfügbarkeit von Äsung zusammen. Rehböcke in Lebensräumen mit Äsung im Überfluss tragen in aller Regel deutlich stärkere Gehörne als Rehböcke, die auf kargen Standorten leben. Dennoch: Ein zierliches, dünnstangiges Gehörn mit dünnen Rosen ist ein Anzeichen für einen Jährling. Spießer, Gabler, Sechser – die Endenzahl hat jedoch keine Aussagekraft darüber, ob es sich bei dem Rehbock um einen Jährling oder einen mehrjährigen Bock handelt. Es gibt Jährlinge, die lediglich ein Knopfgehörn tragen, es gibt im Gegensatz dazu aber auch Jährlinge, die bereits ein Sechsergehörn auf dem Haupt tragen.

Filigrane Statur

Was Schmalrehe und Jährlinge vereint, ist die im Vergleich zu adulten Stücken filigrane Statur. Schmalrehe und Jährlinge befinden sich insbesondere zu Anfang der Jagdzeit im April und Mai noch in der Übergangszeit vom Kitz zum adulten Stück Rehwild. Die Stücke tragen deshalb noch leichte Merkmale von Kitzen. Dies gilt auch für die Statur. Insgesamt wirkt der Wildkörper von Jährlingen und Schmalrehen noch filigran. Der Träger ist verhältnismäßig dünn und durch die filigranen Wildkörper wirken die einjährigen Stück noch sehr hochläufig. Dies fällt insbesondere im direkten Vergleich zu einer Ricke oder einem mehrjährigen Bock auf. Stehen mehrjährige Stücke neben einjährigen im April oder Mai ist der Unterschied kaum zu übersehen. Doch auch hier muss stets der Lebensraum berücksichtigt werden! Rehe in äsungsreichen Lebensräumen sind deutlich stärker im Wildkörper als beispielsweise Rehe auf kargen Sandböden.

Blick zwischen die Hinterläufe

Das sichere Ansprechen von Schmalrehen hat im Vergleich zum Ansprechen von Jährlingen noch eine stärkere Brisanz. Denn so darf es keinesfalls passieren, dass eine führende bzw. trächtige Ricke erlegt wird. Tragende Ricken sind im April und Mai jedoch im direkten Vergleich aus meiner Sicht so gut wie immer selbst für unerfahrene Jäger sicher anzusprechen. Der kugelrunde Bauch, die fahlgraue Decke, das Starke Gebäude – all dies sind zu dieser Zeit sichere Merkmale für eine Ricke. Nach dem Setzen werden diese Merkmale jedoch immer undeutlicher. Dann kann ein Blick zwischen die Hinterläufe Aufschluss darüber geben, ob es sich bei dem beobachteten Stück um eine Ricke oder ein Schmalreh handelt. Bei Ricken ist in aller Regel nach dem Setzen die Spinne zwischen den Hinterläufen erkennbar. Doch Vorsicht: Dies muss nicht sein! Haben beispielsweise die Kitze vor Kurzem an der Spinne ihren Hunger gestillt, ist diese leergesaugt und damit weniger deutlich sichtbar. Dies muss stets beachtet werden.

Häufig noch mit Geschwistern unterwegs

Ein weiteres Indiz in der Kette der Ansprechmerkmale von Jährlingen und Schmalrehen ist das häufige Auftreten mit ihren Geschwistern. Oft setzen Ricken Zwillingskitze. Überleben beide Kitze das erste Lebensjahr und werden dann am 1. April des Folgejahres zum Jährling oder Schmalreh stehen diese sehr häufig zu Beginn der Jagdzeit im April und Mai noch beieinander. Die Stücke treten deshalb häufig zu zweit oder bei Drillingskitze gar zu dritt auf. Diese Bindung bleibt häufig sogar bis in den Sommer bestehen. In der Brunft (Ende Juli/Anfang August) löst sich diese Bindung zwischen Geschwister-Rehen dann häufig auf und die Stücke ziehen allein ihre Wege im Revier. Zu Beginn der Jagdzeit im April und Mai stehen Jährlinge sowie Schmalrehe zudem oft noch bei der zugehörigen Ricke. Die Bindung zwischen Muttertier und Nachwuchs bleibt dabei in aller Regel so lange bestehen, bis der nächste Nachwuchs gesetzt wird. Ab dem erneuten Setzen der Ricken dulden sie in der Regel auch den vorjährigen Nachwuchs nicht mehr in ihrer Nähe. Doch keine Regel ohne Ausnahme! Es kommt auch durchaus vor, dass vor allem Schmalrehe noch bei der zugehörigen Ricke nach dem Setzen der nächstjährigen Generation Kitze stehen.

Jugendliches, aufgeregtes Verhalten

Verglichen mit dem Menschen handelt es sich bei Jährlingen und Schmalrehen um Jugendliche. Analog dazu zeigen auch Schmalrehe und Jährlinge ein aufgewecktes oder gar aufgeregtes Verhalten. Beobachtet man Schmalrehe oder Jährlinge über längere Zeit, fällt auf, dass diese Stücke oft stetig in Bewegung bleiben. Sie sind äußerst neugierig und nähern sich häufig Artgenossen, um mal so sehen, was da so los ist. Auch auf Stücke anderer Arten reagieren Schmalrehe und Jährlinge teils mit großer Neugier. Wie ein junger Hund laufen sie oft auf Vögel, Hasen oder andere Schalenwildarten zu, um ihre Neugier zu stillen. Beo Beobachtung der einjährigen Stücke fällt zudem oft auf, dass sie häufig aufwerfen. Selbst beim ausgiebigen Äsen auf einer saftig grünen Wiese heben die Stücke in aller Regel im Abstand von wenigen Sekunden ihr Haupt und sondieren die Lage in der Umgebung. Frei nach dem Motto: „Vielleicht gibt es etwas Interessantes zu entdecken.

Nur die Summe aller Merkmale entscheidet beim Ansprechen von Schmalrehen und Jährlingen!

Ich habe es bereits geschrieben und dennoch möchte ich an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen. Keines der vorgenannten Merkmale allein reicht aus, um einen Jährling oder ein Schmalreh sicher anzusprechen. Wie bei allen anderen Wildarten auch, zählt auch beim Ansprechen von Schmalrehen und Jährlingen nur die Summe aller Merkmale.

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Revierarbeiten in der jagdfreien Zeit im März und April

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Spätestens ab Ende Februar herrscht in den meisten Revieren in Deutschland Jagdruhe. Bis auf wenige Ausnahmen haben nun alle Wildarten Schonzeit. Doch im Revier herrscht im März und April keinesfalls Ruhe, denn es gibt viel zu tun!

Ein Stück Rotwild steht neben einer Salzlecke

Foto: Markus Lück

In den Monaten März und April herrscht im Großen und Ganzen in vielen Bundesländern in Deutschland jagdfreie Zeit. Die meisten Wildarten haben Schonzeit. Und obwohl wir Jäger in diesen beiden Monaten mit der Waffe eher selten ins Revier losziehen werden, sollten diese beiden Monate keinesfalls unterschätzt werden. Denn im Revier gibt es im März sowie April einiges zu tun. Im häufig jagdintensiven Herbst sowie Winter bleiben Reviertätigkeiten oft liegen. Die kurzen Tage sowie nasskalte Witterung machen zudem nicht wirklich Lust auf Arbeitseinsätze in Wald und Feld. Im März und April ist dies jedoch an vielen Tagen bereits ganz anders. Spätestens ab Ende März und damit der Zeitumstellung sind die Tage wieder ausreichend lang, um richtig was im Revier zu schaffen. Und diese Zeit sollte gut genutzt werden, denn der Jagdstart auf Schmalrehe und Rehböcke kommt schneller als man denkt.

Pirschwege anlegen und pflegen 

Spätestens ab dem Start der Jagdzeiten auf Rehböcke und Schmalrehe ziehen viele Jäger wieder regelmäßig los, um auf Ansitzeinrichtungen jeglicher Art dem Rehwild nachzustellen. Um dabei möglichst lautlos und damit störungsarm zum Hochsitz und nach dem Ansitz wieder zurück zum Auto zu gelangen, sind gepflegte Pirschwege nötig. Auf den möglichst frei gehakten Wegen zu den Ansitzeinrichtungen kann sich der Jäger nahezu lautlos den Sitzen nähern. Bei ausreichend Sichtschutz ist es so möglich auf Sitze zu gelangen, in deren Nähe bereits Wild ausgetreten ist. Im Endeffekt steigern gepflegte Pirschwege somit sogar den Jagderfolg. Nach Herbst und Winter sind die Wege zu den Ansitzeinrichtungen häufig mit Laub und herunterfallenden Ästen zugeworfen. All das muss weg, um sich möglichst lautlos auf dem Weg bewegen zu können. Um die Arbeit zu erledigen, kann zum einen zu einem einfachen Rechen gegriffen werden. Mit ein wenig Arbeitseinsatz sind die Pirschwege damit ruckzuck wieder frei. Bei trockenem Wetter bietet sich der Einsatz eines Laubbläsers an. Steht ein solches Gerät zur Verfügung können die Pirschwege einfach freigeblasen werden. Vorteil: Die Arbeit ist deutlich schneller erledigt als mit dem Rechen. Lediglich bei schweren Ästen muss nachgeholfen werden.

Salzlecken bestücken bzw. errichten

Gehörnwachstum, Verfärben, Säugen von Kitzen oder Kälbern – all dies sind biologische Prozesse, für die unsere Wildtierarten besonders viele Nährstoffe verbrauchen, darunter auch Spurenelemente und Salz. Wir Jäger können die Versorgung mit diesen Nährstoffen im Revier über Salzlecken für unser Wild spürbar verbessern. Dabei unterscheiden wir zwischen Stock- und Stangensulzen. Bei Stocksulzen wird das ausgebrachte Salz beispielsweise auf einem Baumstubben ausgebracht. Das Salz ist damit unmittelbar für die Wildtiere erreichbar. Bei der Stangensulze wird das Salz beispielsweise auf einem Pfahl ausgebracht. Es ist damit nicht unmittelbar für das Wild erreichbar. Beispielsweise durch Regenwasser wird stetig etwas Salz gelöst und fließt dann am Pfahl hinunter. Durch Lecken an dem Pfahl kann es dann vom Wild aufgenommen werden. In der jagdfreien Zeit im März sowie April ist ein guter Zeitpunkt, um die vorhandenen Salzlecken im Revier zu kontrollieren oder bei Bedarf neue Lecken zu errichten.

Suhlen freiräumen bzw. anlegen

Genauso wie Pirschwege über den zurückliegenden Herbst und Winter mit Laub und Ästen zugefallen sind, sind auch in Suhlen so einige Teile hineingefallen, die dort nicht hingehören. Laub und kleine Äste sind kein Problem. Bei größeren Ästen oder gar ganzen Kronenteilen, sollte der Jäger jedoch tätig werden. Sie versperren häufig den Zugang zur Suhle und hindern somit Sauen und Rotwild an den beliebten Schlammbädern. Um die Attraktivität einer Suhle zu erhöhen kann der Jäger zudem an der Rinde von Bäumen oder an Stubben in der Nähe der Suhle etwas Buchenholzteer ausbringen. Der stark riechende Buchenholzteer zieht Sauen häufig magisch an und lädt sie ein, daran zu malen.

Ansitzeinrichtungen kontrollieren

Bereits in der laufenden Jagdsaison fallen bei Ansitzen natürlich immer mal wieder Schwachstellen an den Ansitzeinrichtungen auf. Sei es das knarrende Fenster, die morsche Leitersprosse oder die gebrochene Verstrebung – in der jagdfreien Zeit sollten alle diese Beschädigungen an den Ansitzeinrichtungen repariert werden. Zusätzlich zu diesen bereits bekannten Schäden sollten alle Ansitzeinrichtungen im Revier vor dem bevorstehenden Jagdsaison einmal auf Herz und Nieren geprüft werden. Besonderes Augenmerk sollte der Jäger dabei auf die Füße, Streben sowie Leitern von Ansitzeinrichtungen legen. Hier droht besonders hohes Unfallpotenzial, sollte eines dieser Bauteile marode sein.

Wildäcker anlegen bzw. pflegen

Nicht nur über Salzlecken kann die Versorgung des Wildes in der häufig ausgeräumten Kulturlandschaft verbessert werden. Über Wildäcker lassen sich im Revier attraktive Äsungsflächen schaffen, die häufig Wild wie Magneten anziehen. Bereits vorhandene Wildäcker sollten im März im Frühjahr einmal kontrolliert bzw. gepflegt werden. Je nach ausgebrachter Wildackermischung müssen die Äcker teilweise gemulcht werden oder bei einjährigen Mischungen im Frühjahr neu eingesät werden. Im März und April ist dafür genau der richtige Zeitpunkt.

Jagdschein verlängern

Es klingt so banal, und trotzdem kommt es immer mal wieder vor, dass im Trubel des Alltags untergeht: die Verlängerung des Jagdscheins. Obgleich der Banalität sollte der Jäger dabei jedoch keinesfalls nachlässig sein. Denn ein gültiger Jagdschein ist wichtig! Denn nur mit dem gültigen Jagdschein dürfen Jagdwaffen besessen werden. Bei Revierpächtern hängt zudem die Jagdpacht an der Bedingung eines gültigen Jagdscheins.

Waffen kontrollschießen

Trotz der vielen anfallenden Arbeiten im Revier sollte der Jäger vor der Jagdzeit auf Schmalrehe und Rehböcke der Büchse auf dem Schießstand einmal Aufmerksamkeit schenken. Ein bisschen Übung hat noch nie jemandem geschadet und zudem kann dabei noch einmal die Treffpunktlage der Waffe überprüft werden. So kann ab 1. Mai nichts mehr schiefgehen.

Wild bestätigen

Frisches Gras, austreibende Knospen, die ersten zarten Blätter an Bäumchen und Sträuchern – mit dem fortschreitenden Frühjahr steigt ab März auch die Aktivität unseres Wildes im Revier wieder spürbar an. Beispielsweise Rehe sind in dieser Zeit sehr häufig bereits am späten Nachmittag auf Wiesen oder Äsungsflächen anzutreffen, wo sie von der Sonne beschienen die ersten zarten Äsungspflanzen genießen. Wild lässt sich in dieser Zeit besonders gut beobachten und somit bestätigen.

Noch mehr Informationen rund um Tätigkeiten und Möglichkeiten in der jagdfreien Zeit findest du in einer Folge von meinem Podcast „Pirschgeflüster“:

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Gut geschützt vor Zecken – Borreliose und FSME vorbeugen

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Endlich! Das Frühjahr rückt mit großen Schritten näher. Doch mit Einzug des Frühlings startet auch wieder die Aktivität von Zecken in der heimischen Natur. Damit man vor Borreliose sowie FSME bestmöglich geschützt ist, sollten einige Dinge beachtet werden.

Eine einzelne Zecke sitzt auf einem Grashalm

Symbolbild: Markus Lück

Die Zeckenzeit beginnt – jetzt schützen

Wanderer, Mountainbiker, Pilzsammler, Landwirte und eben auch wir Jäger sind von etwa Anfang März bis Ende Oktober eines jeden Jahres einer besonderen Gefahr in der heimischen Natur ausgesetzt: Zecken. Ab etwa 7 Grad Celsius werden die kleinen Krabbler wieder aktiv. Natürlich sind auch alle anderen Personengruppen der Gefahr von Zeckenstichen ausgesetzt. Doch insbesondere Menschen, die sich häufig in den Frühjahrs-, Sommer- und Herbstmonaten draußen in der heimischen Natur rumtreiben, sind der Gefahr von Zeckensticken ausgesetzt. Durch die steigenden Durchschnittstemperaturen verlängert sich auch der Aktivitätszeitraum von Zecken gewaltig. Selbst in den eigentlichen Wintermonaten sollte man deshalb mit Zecken rechnen. Im heimischen Garten inmitten einer Stadt kann man sich ebenfalls auch nicht in absoluter Sicherheit wähnen, denn auch dort kann es durchaus vorkommen, dass sich die kleinen achtbeinigen Tierchen rumtreiben. Tipp: Kurz gemähte Rasenflächen meiden Zecken in der Regel. Häufiges Mähen der Rasenfläche schreckt die Blutsauger demnach ab.

In diesem Blogbeitrag soll es keinesfalls darum gehen, Panik zu machen! Dennoch ist es aus meiner Sicht durchaus sinnvoll, sich etwas mit den Verhaltensweisen von Zecken auseinanderzusetzen und ein paar Dinge zu beachten, damit man eben nicht beispielsweise an Borreliose oder FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis/Hirnhautentzündung) erkrankt. Im Folgenden werde ich immer mal wieder auf diese beiden Erkrankungen eingehen, da sie in Deutschland die am häufigsten von Zecken übertragenen Erkrankungen beim Menschen sind. Zecken können jedoch auch noch andere Krankheiten an uns Menschen weitergeben – so zum Beispiel Anaplasmose, Krim-Kongo-Fieber, Tularämie, die Babesiose oder verschiedene Rickettsiosen. Weiterhin ist an dieser Stelle natürlich zu beachten, dass ich selbst kein Mediziner bin – solltest Du also medizinischen Rat benötigen, wende Dich bitte an einen Arzt!

Lyme-Borreliose und FSME

Wie bereits erwähnt, Lyme-Borreliose und FSME sind die häufigsten von Zecken übertragenen Erkrankungen in Deutschland. Während die Lyme-Borreliose eine bakterielle Erkrankung ist handelt sich bei Frühsommer-Meningoenzephalitis um eine Viruserkrankung. Beide Erkrankungen haben jedoch gemeinsam, dass sie in unterschiedlicher Häufigkeit in Deutschland vorkommen. So gibt es Gegenden in Deutschland, in denen ein besonders hohes Risiko für eine Infektion mit Borreliose beziehungsweise FSME nach einem Zeckenstich besteht. Erkrankungen mit Borreliose kommen bundesweit vor. Schwerpunkte liegen jedoch in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie Bayern. Für die Frühsommer-Meningoenzephalitis liegen die Infektionsschwerpunkte vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen, on Sachsen und seit 2022 auch im südöstlichen Brandenburg, wie das Robert Koch Institut auf seiner Internetseite bekanntgibt. Einzelne Risikogebiete existieren darüber hinaus in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen sowie in Nordrhein-Westfalen. Eine Karte der FSME-Risikogebiete des RKI findest Du hier.

Symptome und Impfungen – Borreliose und FSME

Die bei einer Borreliose-Infektion auftretenden Symptome bei den Erkrankten sind teils sehr unterschiedlich und sie unterscheiden sich auch erheblich in Bezug auf die Form der Infektion. Bei einem Infektionsverdacht sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. In der Regel kann dann über eine Blutuntersuchung eine Borreliose-Erkrankung diagnostiziert werden. In frühen Erkrankungsstadien lässt sich die Krankheit in der Regel sehr gut durch die Gabe von Antibiotika in den Griff kriegen. Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis sind die auftretenden Symptome bei den Patienten in der Regel eindeutiger. Sie ähneln den Symptomen bei einem grippalen Effekt. Häufig treten demnach Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen sowie Fieber auf. Treten solche Symptome in der Zeit nach einem Zeckenstich auf, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Dabei sollte dringend die Info über den zuvor erfolgten Zeckenstich an den Mediziner gegeben werden. FSME ist in der Regel behandelbar. In seltenen Fällen kann es zum Tod kommen. Doch die gute Nachricht: Gegen FSME kann man sich impfen lassen, um so einer Infektion sicher aus dem Weg zu gehen. Diese Immunisierung erfolgt in der Regel über eine Dreifach-Impfung. Und noch eine gute Nachricht: Nahezu jeder kann sich gegen FSME impfen lassen. Es existieren nur wenige Gründe, die gegen eine Immunisierung sprechen. Gegen Borreliose kann man sich beute nicht impfen lassen. In jüngster Vergangenheit kommt es in den Medien jedoch immer mal wieder zu Meldungen, in denen über die in der Entwicklung befindliche Borreliose-Impfung berichtet wird. Warten wir mal ab!

Zecken – Lebenszyklus

Insgesamt existieren bei Zecken drei verschiedene Entwicklungsstadien. Adulte Weibchen legen nach einer ausgiebigen Blutmahlzeit mehrere Tausend Eier ab, aus denen die sogenannten Larven der Zecken schlüpfen. In diesem ersten Entwicklungsstadium sind sie auf die erste Blutmahlzeit in ihrer Entwicklung angewiesen. Bereits in diesem Stadium kann es dazu kommen, dass die Zeckenlarve auf einem Menschen landet. Die Larven der Zecken sind sehr klein und werden beim Absuchen rasch übersehen. Doch Vorsicht, bereits dieses erste Entwicklungsstadium kann den Wirt „Mensch“ krank machen. Deshalb sollten auch Larven entfernt werden. Nach einer ersten Blutmahlzeit bei einem Wirt entwickelt sich die Larve zu einer Nymphe. Zecken-Nymphen sind bereits deutlich größer als Larven und können daher auch besser entdeckt werden. Wie die Larven sind sie für die weitere Entwicklung zur adulten Zecke auf eine Blutmahlzeit also einen Wirt angewiesen. Und genau hier kommt auch wieder der Mensch ins Spiel, der an dieser Stelle befallen werden kann. Nach der Blutmahlzeit entwickelt sich die Nymphe zu einer adulten Zecke (männlich oder weiblich). Adulte Zecken sind ebenfalls auf eine Blutmahlzeit angewiesen – insbesondere die Weibchen. Nachdem sie sich bei einem Wirt vollgesogen haben, legen sie ihre Eier ab und der Zyklus beginnt erneut. Alle Entwicklungsstadien der Zecken können Krankheiten auf den Menschen übertragen. Bei adulten Zecken ist die Infektionswahrscheinlichkeit jedoch besonders hoch. Als Wirte kommen für die Blutmahlzeiten bei der in Deutschland häufigsten Zeckenart zahlreiche verschiedene Wirte in Betracht. Nahezu alle einheimischen Wildtiere werden von Zecken befallen, teils mit unterschiedlicher Präferenz. Der sich in der Natur bewegende Mensch, darunter auch der Jäger, kommt dabei als Wirt ebenfalls ins Spiel.

Grafik, die den Lebens- und Entwicklungszyklus von Zecken zeigt

Grafik: Markus Lück

Gegen Zecken schützen

Um sich gegen Zecken zu schützen, muss zuerst verstanden werden, wo sich die kleinen Blutsauger aufhalten. Denn anders als viele Menschen bis heute glauben, lassen sich Zecken nicht von Bäumen auf ihre Wirte fallen. Die kleinen Blutsauger sitzen in der Regel im Gras oder an Büschen und anderen Pflanzen in bis zu einer Höhe von etwa einem Meter. Durch die Vegetation laufende Tiere oder Menschen streifen die Zecken dann von den Pflanzenteilen ab. Die so von der Pflanze auf den Tier- bzw. Menschenkörper gelangte Zecke sucht sich dann auf dem neuen potenziellen Wirt eine geeignete Stelle, um die Blutmahlzeit einzunehmen. Prinzipiell kann sich die Zecke an fast allen Stellen auf dem Körper von Wildtieren oder Menschen festsaugen. Damit sie nicht abgerubbelt oder rausgebissen werden kann, suchen sich die kleinen Blutsauger häufig „geschütztere“ Stellen. Bei Menschen stechen sie deshalb besonders häufig unter den Achseln, in der Ellenbeuge, an den Genitalien, auf dem Kopf oder im Bauchnabel. An diesen Stellen bleiben die Blutsauger häufig unentdeckt. Deshalb sollte man dort besonders genau schauen.

Kleidung gegen Zecken

Kommen wir aber nun dazu, wie man sich am besten gegen Zecken schützen kann. Denn wie bei Krankheiten auch ist es das Allerbeste, erst gar keine Krankheit oder in diesem Fall einen Zeckenstich zu kassieren. Damit sich eine Zecke festsaugen kann, benötigt sie direkten Hautkontakt. Kurze Hosen und offene Schuhe sind deshalb beispielsweise bei der Kitzsuche keine gute Wahl! Geschlossene Schuhe und lange Hosen sind ideal. Gut eignen sich auch Gummistiefel, in denen die Hosenbeine stecken. Auch in „normalen“ Schuhen, wie beispielsweise Wander- oder Trekkingschuhen kann die Hose in den Schuh gesteckt werden. Ein Eindringen ist somit für die Zecke deutlich erschwert. In der Regel streifen Menschen Zecken an den Füßen beziehungsweise Beinen ab. Wer auf Nummer sichergehen will und in besonders hoher Vegetation unterwegs ist, kann auch langärmlige Kleidung am Oberkörper tragen. Somit ist auch ein Vordringen über die Arme erschwert.

Im Handel ist spezielle Kleidung erhältlich. Diese Kleidungsstücke sind bereits ab Werk mit Mitteln behandelt, die Zecken abhalten sollen. Selbstverständlich können solche Mittel auch selbst auf Kleidung oder Körper aufgebracht werden. Ich selbst nutze sehr gern die Mittel „Autan“ oder die Mittel „Anti Brumm“. Hierbei ist zu beachten, dass diese Abwehr-Mittelchen in der Regel einen relativ starken Geruch mit sich bringen. Diese Gerüche werden von Menschen unterschiedlich wahrgenommen. Mich selbst stören die Gerüche nicht sonderlich, wenn ich ein paar Sprühstöße auf Beine oder Unterarme aufbringe. Andere Personen reagieren auf diese Gerüche jedoch sehr empfindlich. Zu beachten ist außerdem, dass die Mittel auf Kleidung unter Umständen sichtbare Rückstände hinterlassen können. Vor dem Aufsprühen auf Kleidung sollte dies deshalb zuvor getestet werden

Zecke ziehen

Trotz aller Vorsichtsmaßnehmen lässt es sich für Jäger und andere Naturfans kaum vermeiden, dass man sich mal eine Zecke „einfängt“. Das ist auch kein Weltuntergang! Ich selbst habe trotz aller Vorsicht jedes Jahr zwischen fünf und zehn Zecken, die sich bereits in der Haut festgesetzt haben. Wichtig ist danach nur, dass die kleinen Blutsauger möglichst rasch entfernt werden. Denn während der Erreger von FSME relativ rasch nach Einstich der Zecke auf den Wirt übertragen werden, kommt es bei den Erregern von Borreliose erst nach einigen Stunden zur Übertragung. Die Wahrscheinlichkeit nimmt dabei mit zunehmender Zeit des Festsaugens der Zecke zu. Deshalb sollte die Zecke möglichst zeitnah nach dem Festsaugen entfernt werden. Spätestens am späten Nachmittag oder am Abend sollte der eigene Körper genau inspiziert werden. Wird dabei eine Zecke entdeckt werden, gilt es diese zu entfernen. Keinesfalls sollte der Körper der Zecke mit irgendwelchen Mittelchen (Nagellack, Öl …) behandelt werden. Weniger ist hier deutlich mehr. Der Handel hält für das Entfernen von festgesaugten Zecken spezielle Werkzeuge bereit. Zeckenzangen oder Zeckenkarten können natürlich gut genutzt werden. Ich selbst nutze in der Regel eine einfache Pinzette, die ohnehin in jedem Haushalt vorhanden ist. Mit der Pinzette wir die Zecke möglichst nah an der Haut des Wirts (in dem Fall dem menschlichen Körper) gegriffen. Ein Drücken des hinteren Körperbereichs der Zecke sollte vermieden werden. Nach dem Greifen der Zecke wird diese aus der Haut gezogen. Eine Drehbewegung ist zu vermeiden. Die Zecke wird einfach „gerade“ nach hinten rausgezogen. Nach dem Entfernen der Zecke sollte die Einstichstelle in der Folgezeit beobachtet werden. Bei einer Infektion mit Borreliose ritt häufig eine kreisrunde Färbung der Haut um die Einstichstelle auf. Diese kann auf eine Infektion hinweisen. Ein Besuch beim Arzt ist demnach bei Auftreten der Röte empfehlenswert. Eine leichte Rötung der Haut unmittelbar nach Entfernen der Zecke rund um die Einstichstelle tritt nach meiner Erfahrung jedoch fast immer auf, selbst wenn keine Infektion stattgefunden hat. Diese „normale“ Rötung ist nach meiner Erfahrung jedoch noch einem spätestens nach zwei Tagen verschwunden.

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Die erste Jagdgelegenheit – Schritt für Schritt zur ersten Jagdmöglichkeit

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Endlich die Jägerprüfung ist geschafft! Jetzt kann es richtig losgehen – vorausgesetzt man hat irgendeine Jagdmöglichkeit. Sei es das Pachten, ein Begehungsschein oder eine Jagdeinladung. Möglichkeiten zur Jagd gibt es viele. Welche Möglichkeiten es gibt und wie Du an Deine erste Jagdmöglichkeit kommst, erläutere ich in diesem Beitrag.

Ein Jäger sitzt auf einer Kanzel und schaut rechts aus dem Bild. Er hält eine Waffe in der Hand.

Foto: Markus Lück

Es kann losgehen – die erste Jagdmöglichkeit

Die lange Phase des Lernens ist endlich vorüber – nun kann es in die Praxis gehen. Der Jungjäger kann ab jetzt selbst ins Revier ziehen und Beute machen. Doch damit dies möglich ist, wird natürlich zunächst eine Jagdmöglichkeit benötigt. Einfach ins Feld oder den Wald gehen und Beute machen ist natürlich keine Option. Wer ohne eine Jagderlaubnis jagt, begeht eine Straftat. Und Wilderei ist keinesfalls ein Kavaliersdelikt! Um selbst Beute machen zu dürfen, braucht der Jungjäger deshalb eine Jagdmöglichkeit. Und insbesondere diese erste Jagdmöglichkeit ist für viele Jungjäger eine wahre Hürde. Ist ein Jungjäger jagdlich vorbelastet – egal ob durch die Familie, den Freundeskreis oder das Arbeitsumfeld – hat er häufig keine Probleme, um eine erste Möglichkeit zur Jagd zu bekommen. Doch mittlerweile legen auch viele Personen die Jägerprüfung ab, die bislang keinerlei Berührungspunkte zur Jagd hatten. Vor allem dann kann die erste Jagdmöglichkeit ein wahrer Knackpunkt werden. Doch nicht verzweifeln – auch für solche Situationen gibt es Lösungen, um an die erste Jagdmöglichkeit zu kommen.

Selbst pachten – keine Option für Jungjäger!

Um in einem Revier die Jagd ausüben zu dürfen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das wohl naheliegendste ist das Pachten eines eigenen Reviers. Für den Jungjäger ist dies jedoch keine Option. Denn der Gesetzgeber schreibt vor, ab wann ein Jäger selbst ein Revier pachten darf. Und der Gesetzestext besagt, dass Jungjäger in Deutschland nicht jagdpachtfähig sind. So ist das Pachten eines Reviers erst möglich, wenn du mindestens drei Jahre im Besitz eines Jagdscheins warst. Meiner Meinung nach ist das Pachten eines eigenen Reviers jedoch auch aus einem anderen Grund keinesfalls eine Option für einen unerfahrenen Jungjäger, womöglich noch ohne jedwede jagdliche „Vorbelastung“. Denn neben den Rechten und Möglichkeiten, die eine Jagdpacht mit sich bringt, ist mit dem Pachten eines Reviers auch eine Vielzahl an Verpflichtungen verbunden, die von Jagdneulingen kaum gemeistert werden können. Jagd ist Handwerk. Selbst die beste Ausbildung in einer Jagdschule oder einem klassischen Jagdscheinkurs ersetzt das Lernen nach dem Ablegen der Prüfung nicht. Nur in der jagdlichen Praxis und nur durch das Selbst-Tun kann das notwendige Wissen und Können erlernt werden. Geschieht das dann noch unter Anleitung beziehungsweise in Begleitung eines erfahrenen Jägers ist das Ganze optimal.

Begehungsschein – gute Option für Anfänger

Ein Begehungsschein oder genauer gesagt ein Jagderlaubnisschein ist hingegen definitiv eine Möglichkeit, um die ersten eigenen Schritte im Jägerleben gehen zu dürfen. Begehungsscheine werden sowohl von privaten Jagdpächtern als auch in vielen Fällen von den Forstverwaltungen vergeben. Durch einen Jagderlaubnisschein erhält der Jäger die Möglichkeit in einem Revier die Jagd ausüben zu dürfen. Die Regelungen dabei können in Absprache mit dem Begehungsschein-Vergeber vollkommen individuell besprochen. So kann ein Begehungsschein auf eine zeitliche Periode befristet oder auf einen bestimmten Teil eines Reviers begrenzt sein. Auch kann der Begehungsschein auf bestimmte Wildarten oder Altersklassen beschränkt werden. Und auch die Anzahl der Stücke, die vom Begehungsscheininhaber erlegt werden darf, ist in der Regel begrenzt. Eine allgemeine Aussage darüber, was erlaubt ist oder was eben nicht bei einem Begehungsschein kann es deshalb an dieser Stelle nicht getroffen werden. Dies muss der Jungjäger mit dem Begehungsschein-Vergeber individuell besprechen.

Begehungsschein – gegen Geld oder Mitarbeit

Jagderlaubnisscheine können sowohl entgeltlich als auch unentgeltlich ausgegeben werden. Sehr häufig werden kostenfreie Begehungsscheine an Personen vergeben, die sich in dem entsprechenden Revier insbesondere durch Reviertätigkeiten oder anderweitig mit der Jagd zusammenhängende Tätigkeiten verdient machen und dadurch die Jagdmöglichkeit in gewisser Weise „erarbeiten“. Als Beispiele seien hier zum Beispiele Jäger genannt, die sich in der Funktion eines „Jagdaufsehers“ um zahlreiche Belange im entsprechenden Revier kümmern – angefangen vom Hochsitzbau bis hin zur Vermarktung des erlegten Wildes. Als weiteres Beispiel sei hier aber nochmal im Speziellen die Wildbretvermarktung genannt. In vielen Revieren ist das Zerlegen und Vermarkten des erlegtes Wildes ein Knackpunkt. Personen, die selbst eine kleine Wildkammer haben und/oder über die entsprechenden handwerklichen Fähigkeiten verfügen, werden deshalb häufig mit offenen Armen in den Revieren empfangen. Zu guter Letzt dürfen an dieser Stelle auch keinesfalls die Führer von Jagdhunden fehlen. Bei zahlreichen Jagdarten sind brauchbare Jagdhunde Pflicht. Deshalb werden auch Jagdhundeführer mit guten Hunden häufig sehr gern in die Reviergemeinschaft mit aufgenommen.

Pirschbezirk – eine Sonderform

Forstverwaltungen bieten mit sogenannten Pirschbezirken eine besondere Form der Jagdmöglichkeit. Mittlerweile bejagen viele Forstverwaltungen die bewirtschafteten Flächen, auf denen sie selbst das Jagdrecht besitzen, nicht mehr selbst. In Form von sogenannten Pirschbezirken bieten sie gegen Geld anderen Jägern die Möglichkeit, in einem bestimmten Gebiet zu jagen. In der Regel werden Pirschbezirke zeitlich befristet auf ein Jahr vergeben. Häufig darf im entsprechenden Pirschbezirk dann nur von dem Pirschbezirk-Inhaber gejagt werden. Ab und an kommt es dazu, dass die Landesforsten trotz Vergabe eines Pirschbezirks in den Absprachen dazu dann die Möglichkeit offenhalten, das entsprechende Gebiet des Pirschbezirks bei einer großen Drückjagd mitzubejagen. Was in einem Pirschbezirk erlegt werden darf, wie groß das Gebiet ist und was der Jagderlaubnisschein am Ende kostet, muss zwischen beiden Parteien besprochen werden und ist individuell. Eine Aussage dazu kann deshalb an dieser Stelle nicht getroffen werden. Häufig schreiben die Landesforsten auch – ähnlich einem Abschussplan – eine Mindestanzahl zu erlegender Stücke in dem entsprechenden Gebiet vor. Insgesamt ist ein Pirschbezirk jedoch aus meiner Sicht eine sehr gute Möglichkeit um die ersten Erfahrungen sammeln können. Einziger Wermutstropfen ist die in der Regel fehlende Begleitung durch einen erfahrenen Jäger. In einem Pirschbezirk ist der Jungjäger auf sich allein gestellt. Es ist deshalb trotzdem ratsam, den Anschluss an die örtliche Jägerschaft zu suchen und dort Kontakte zu Jägern zu knüpfen, von denen man bestenfalls lernen kann.

Einmalige Jagdeinladung – häufig nach der Prüfung

Häufig kommt es dazu, dass Jungjäger beispielsweise zur bestandenen Prüfung auf einen Bock beziehungsweise anderweitig zur Jagd eingeladen werden. Diese Einladungen beschränken sich häufig auf ein Stück Wild oder auf einen bestimmten Zeitraum, wie beispielsweise ein Jagdwochenende. Solche Einladungen sind aus meiner Sicht eine super Gelegenheit, um jagdlich Fuß zu fassen. Denn durch die Jagd selbst kommt es zu engerem Kontakt mit dem Einladenden. Daraus entwickeln sich nicht selten langjährige Jagdfreundschaften und langjährige Jagdmöglichkeiten.

Jagdreise – in Deutschland sowie Ausland

Eine weitere Möglichkeit, um jagdlich aktiv zu werden, ist das Buchen einer Jagdreise. Dabei kann der Jäger gegen Geld in einem bestimmten Gebiet im In- oder Ausland Beute machen. Angebote für Jagdreisen sind sehr individuell. Häufig wird bei einer Jagdreise auf einen Trophäenträger einer bestimmten Wildart gejagt. Als Beispiele seien hier genannt: Brunftjagd auf einen Rothirsch, Bergjagd auf eine Gams, Pirschjagd auf einen Rehbock. Doch wie bereits erwähnt Jagdreisen können völlig individuell und höchst verschieden ausgerichtet sein. So gibt es auch Angebote für Jagdreisen, bei denen der Buchende die Möglichkeit bekommt, an einer (teils) mehrtägigen Drückjagd teilzunehmen. Selbstverständlich gibt es auch Jagdreisen, bei denen nicht auf Trophäenträger gejagt wird. Der Möglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt – außer durch den Geldbeutel. Denn Jagdreisen schlagen je nach Reiseziel und zu bejagender Wildart kräftig zu Buche.

Speziell für Jungjäger bieten einige Jagdreiseanbieter auch passende Reisen an. Hierbei wird auf die Betreuung des Jagdneulings in der Regel besonderen Wert gelegt. Ein erfahrener Jäger begleitet den Jagdreisenden.

Durch Engagement zur Jagdmöglichkeit

Egal für welche Möglichkeit Du dich unmittelbar nach der Prüfung entscheidest, um den Einstieg in die Jagd zu schaffen, ich kann dir nur raten, stetig jagdliche Kontakte aufzubauen und dich zu engagieren. Nach meiner Erfahrung erhalten engagierte Jäger, die sich beispielsweise durch Mitarbeit im Revier verdient machen, fast immer die Möglichkeit zu jagen. Denn die Betreuung eines Reviers kann in der Regel nicht allein von einem Jagdpächter gemeistert werden. Zu vielfältig und zu zahlreich sind die anfallenden Arbeiten bei Pacht eines Reviers. Und zu guter Letzt bedeutet für viele Jäger die Jagd auch Kameradschaft. Gemeinsam jagen macht mir beispielsweise auch deutlich mehr Freude als ausschließlich allein im Revier unterwegs zu sein. Deshalb ab auf den Schießstand, rein in die örtliche Jägervereinigung oder ab zum Jägerstammtisch und Kontakte knüpfen. Dann läuft das alles von ganz allein.

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Reizjagd auf Füchse – so gelingt die Jagd auf Reineke

Reizjagd auf Füchse – so gelingt die Jagd auf Reineke

Reizjagd auf Füchse – so gelingt die Jagd auf Reineke

Die Jagd auf Füchse übt auf zahlreiche Jäger eine ganz besondere Faszination aus. Noch einen Tick reizvoller ist für viele Jäger die Reizjagd auf Füchse. Damit diese am Ende noch von Erfolg gekrönt ist, gebe ich in diesem Beitrag ein paar Tipps für die Reizjagd auf Füchse.

Links im Bild sieht man einen mäuselnden Jäger. Rechts kommt ein Fuchs im Schnee auf ihn zugelaufen.
Foto: Markus Lück

So gelingt die Reizjagd auf Füchse

Zielstrebig schnürt der Schatten auf meinen Hochsitz zu. Wie vom Blitz getroffen hat der Fuchs seine Richtung nach dem Klagen aus meiner Hasenklage geändert. Sein langsames Schnüren ist in einen zügigen sowie zielstrebigen Trab übergangen. Auf dem frisch gefallenen Schnee ist der Rotrock super zu erkennen – selbst mit bloßem Auge. Um den Räuber in dieser sternenklaren Winternacht zu beobachten, benötige ich noch nicht einmal ein Fernglas. 250, 200, 150, 100 Meter. Der Fuchs kommt immer näher. Bald ist er in Reichweite meines Drillings. Der Schuss mit der .30-06 wäre jetzt schon problemlos möglich. Doch ich will den Fuchs heute mit Schrot erlegen. Immer näher kommt der Rotrock. Über die offene Wiese kommt er nun direkt auf meinen geschlossenen Hochsitz zu, der am Waldrand steht. Das Gewehr liegt bereits auf der Brüstung. Der Spannschieber ist längst nach vorn geschoben. Der Leuchtpunkt folgt dem Fuchs auf seinem Blatt. Dann ist er nur noch rund 30 Meter entfernt – der Fuchs steht scheibenbreit vor mir. Rums – die Schrotgarbe lässt den Fuchs an diesem Abend unmittelbar vor mir verenden. Besser hätte es nicht laufen können. Wieder einmal konnte ein Rotrock den Klagelauten nicht widerstehen und kam bei der Reizjagd zur Strecke.

Lockjagd vs. Reizjagd – der Unterschied

Damit auch Ihr bei der Reizjagd auf Füchse mit Beute nachhause kommt, sind ein paar Dinge zu beachten. Neben der passenden Ausrüstung gibt es auch aus jagdpraktischer Sicht ein paar Stellschrauben, die über Erfolg oder Misserfolg bei der Reizjagd auf Füchse entscheiden. Doch fangen wir ganz von vorn an. Neben der angesprochenen Reizjagd auf Füchse gibt es auch. Noch die Möglichkeit die roten Räuber bei der Lockjagd zu erbeuten. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede? Bei der Lockjagd bewegt der Jäger durch das Nachahmen von arteigenen Lauten Füchse zum Zustehen in Richtung des Jägers. Diese Jagdart wird überwiegend in der Ranzzeit genutzt. Sowohl Fähen als Rüden geben in der Ranzzeit teils sehr laute Geräusche von sich, um Artgenossen des anderen Geschlechts auf sich aufmerksam zu machen. Dies kann sich der Jäger zunutze machen, indem er selbst den sogenannten Fähenschrei oder das Bellen eines Fuchsrüden imitiert. Der Fachmarkt hält dafür zahlreiche unterschiedliche Instrumente bereit, mit denen selbst ungeübte Fuchs-Musikanten rasch den richtigen Ton treffen. Bei der Reizjagd werden im Unterschied zur Lockjagd keine arteigenen Laute von Füchsen imitiert. Vielmehr setzt der Jäger bei der Reizjagd auf Lautäußerungen von Wildtieren (Feldhase, Wildkaninchen, Vögel, Mäuse), die für den Fuchs potenziell als Beute infrage kommen. Der Fuchs bewegt sich in Richtung des musizierenden Jägers, weil er sich Beute erhofft. Bei der Lockjagd erhofft der Rotrock sich hingegen Kontakt zu einem Artgenossen.

Der richtige Platz für die Reizjagd auf Füchse

Mit diesem Wissen kann die erste Reizjagd auf Füchse angegangen werden. Füchse gibt es nahezu flächendeckend in Deutschland in unterschiedlicher Dichte, sodass nahezu jeder Jäger die Möglichkeit hat, diese reizvolle Jagdart auszuüben. Doch damit die Jagd erfolgreich verläuft, sollte sich der Jäger am richtigen Platz im Revier postieren. Ideal für die Reizjagd auf Füchse sind Ansitzplätze im Revier, an denen der Jäger einen möglichst weiten und ungestörten Überblick im Gelände hat. Dies sind beispielsweise Plätze an Wiesen oder im Feldbereich. Diese Platzwahl ist nicht dadurch begründet, dass es im Wald oder anderen deckungsreichen Gelände keine Füchse gibt. Ganz im Gegenteil! Deckungsreiche Bereiche im Revier beheimaten in der Regel viele Füchse. Der Jäger hat jedoch häufig keine eine Chance Beute zu machen. Füchse stehen zwar dem mit der Hasenklage musizierenden Jäger zu. Wir als menschliche Jäger bekommen den zustehenden Fuchs dann jedoch häufig gar nicht mit – selbst, wenn er sich bereits verhältnismäßig nah am Jäger befindet und damit längst in Reichweite der Jagdwaffe befindet. Deshalb postieren wir uns in offenen Bereichen, in denen wir zustehende Füchse bereits bis zu mehrere Hundert Meter weit beobachten können. Wir können uns dann in aller Ruhe bereit machen, die Waffe greifen und in Anschlag gehen. Ohne Überraschungen und Hektik kann dann sicher geschossen werden.

Besonders vielversprechende Ansitzplätze für die Fuchsjagd generell sind Plätze nahe an Wegen. Alles Raubwild, darunter auch der Fuchs, nehmen bevorzugt Wege an, um sich im Revier fortzubewegen. Die Räuber können sich auf den Wegen ohne Hindernisse, relativ geräuscharm fortbewegen und bleiben damit von potenziellen Beutetieren unbemerkt. Dies erhöht den Jagderfolg der roten Räuber ungemein! Ein weiterer Pluspunkt für einen potenziellen Ansitzort bei der Reizjagd ist die Nähe zu Tageseinständen von Füchsen. Und dies sind in der Regel nicht die Fuchsbaue, sondern vielmehr Strukturen, wie Hecken, Büsche, Dickungen oder Gärten. Füchse verbringen sehr häufig den Tag über außerhalb des Baus. In der Ranzzeit gewinnen die Fuchsbaue im Revier jedoch massiv an Bedeutung. In Dezember, Januar und Februar suchen Fähen und Rüden häufig die Baue auf, um sich dort zu treffen. Und dies sind in der Regel weit mehr als 2 Füchse. So kann es durchaus sein, dass selbst nach Erlegen von Rüde und Fähe weitere Füchse den Bau annehmen wollen.

Ein hoher geschlossener Hochsitz als Ansitzeinrichtung bei der Reizjagd in freiem Feld auf Füchse
Foto: Markus Lück

Geschlossene Kanzel, Ansitzleiter oder Erdsitz

Neben dem richtigen Platz im Revier hat auch die Art der gewählten Ansitzeinrichtung auf die Reizjagd auf Füchse. Generell kann für diese Jagdart jede Ansitzeinrichtung im Revier genutzt werden. Will der Jäger einen Bereich im Revier ansteuern, in dem keine Ansitzeinrichtung zur Verfügung steht, kann sogar gänzlich ohne gejagt werden. Dies ist zwar deutlich herausfordernder als beispielsweise die Reizjagd aus einer geschlossenen Kanzel in 4 Metern Höhe. Dafür hat diese Art der Reizjagd auf Füchse auch einen ganz besonderen Reiz. Denn durch die Tatsache, dass man vom Erdboden aus agiert, ist man nahezu mit der Beute auf Augenhöhe. Wir als Jäger werden so deutlich rascher vom Fuchs wahrgenommen. Kurzum ist es deutlich schwieriger so einen Fuchs bei der Reizjagd zu erlegen als aus einer geschlossenen Kanzel.

Ich empfehle für die Reizjagd auf Füchse grundsätzlich eine Ansitzeinrichtung, in der der Jäger etwas erhöht verharrt. Das zum einen den Vorteil, dass man aus dem Gesichtsbereich des Fuchses entschwindet und zum anderen hat man aus erhöhter Position in der Regel einen besseren Überblick im Gelände. Insbesondere in offenem Gelände ist das ein entscheidender Vorteil. Denn so erspäht man den heranschnürenden Fuchs im Feld deutlich rascher. Aus schießtechnischer Sicht hat die erhöhte natürlich auch einen Vorteil in punkto Kugelfang. Denn der durch die Höhe entstehende Winkel führt dazu, dass bei passender Höhe und Schussentfernung ausreichender Kugelfang gegeben ist.

Doch nun zur eigentlichen Sitzkonstruktion: Kanzeln bieten je nach Bauart eine Übersicht in alle 4 Himmelsrichtungen. Steht der Hochsitz in freiem Feld und kann der Jäger mit Anblick in allen Richtungen rechnen, ist dies absolut hilfreich. So kann er in einem Bereich von 360° um sich herum Beute machen. Bei einigen Kanzeln sind die Fenster außerordentlich schmal gehalten. Dies kann sowohl in Höhe als auch Breite gestaltet sein. Aus meiner Sicht ist das absolut nachteilig. Denn solch klein gestaltete Schießscharten haben immer noch Nachteil, dass wir Jäger sehr wenig Überblick haben. Es gibt viele „tote“ Blickbereiche, in der die Kanzelwände einen Blick ins Gelände verbieten. Sind die Fenster nicht ausreichend hoch gestaltet, kann es dazu kommen, dass man sich als Jäger fortwährend „bücken“ muss. Das ist bei längeren Ansitzen sehr sehr nervig. Insbesondere in den Hochzeiten der Fuchsjagd im Herbst und Winter haben geschlossene Kanzeln entscheidende Vorteile gegenüber offenen Ansitzleitern. Durch die geschlossene Bauweise sitzt der Jäger darin deutlich geschützter. Selbst bei kalten Temperaturen sind so bei passender Ausrüstung lange Ansitze möglich, ohne zu frieren. Weiterhin verfügen Kanzeln in der Regel immer über ein Dach. Regen oder Schnee im Winter sind deshalb für den darauf ansitzenden Jäger kein Problem.

Offene Ansitzleitern haben den Charme, dass man verhältnismäßig offen sitzt. Diese offenen Ansitze führen dazu, dass man sich als Jäger nah am Wild fühlt. Es gibt bei offenen Ansitzleitern keinerlei Bauteile der Sitzkonstruktion, die das Blickfeld des Jägers einschränken. Diese offene Bauweise führt zudem dazu, dass auch Geräusche aus der Umgebung deutlich besser wahrgenommen werden. Selbst verhältnismäßig leise Geräusche kann der darauf ansitzende Jäger deshalb wahrnehmen. Je nach Bauart kann der Ansitz auf offenen Leitern über längere Zeit jedoch unangenehm werden. Denn die Sitze sind häufig nicht so bequem wie geschlossene Kanzeln. Weiterhin muss auf Leitern immer bedacht werden, dass man von in der Umgebung verhoffendem Wild deutlich rascher wahrgenommen wird als in einer geschlossenen Kanzel.

Starker Wind sowie Regen sind ungünstig für die Reizjagd auf Füchse

Bei der Reizjagd ist es grundsätzlich günstig, wenn sich das zu lockende Wildtier – in diesem Fall der Fuchs – in Hörreichweite zum Jäger befindet. Ist der potentielle Tageseinstand des Fuchses bis zu 500 Meter (je nach Witterung und Lautstärke des Lockers) entfernt, wird der musizierende Jäger in aller Regel vom Fuchs wahrgenommen. Starker Wind oder Regen verringert diese Hörreichweite natürlich massiv. Je nach Stärke des Witterungseinflusses kann es sein, dass selbst der 100 Meter entfernte Fuchs vom Jäger nichts mehr mitbekommt. Darum gilt: Bei starkem Wind oder heftigem Regen ist die Reizjagd auf den Fuchs grundsätzlich deutlich schwieriger als bei klaren sowie ruhigen Wetterverhältnissen. Jagt der Jäger in einem reinen Waldrevier ist dies natürlich kein Ausschlusskriterium für die Reizjagd auf den Fuchs! Doch auch hier sollte möglichst viel Übersicht im Gelände gegeben sein. Die Nähe zu Wegen ist auch im Wald immer ein Pluspunkt für den potenziellen Ansitzplatz. Ein Ort nahe eines Waldweges im Buchenhochwald mit Altholz ist ideal. Hier besteht für den menschlichen Jäger in der Regel ausreichend Überblick, um den zustehenden Fuchs frühzeitig zu entdecken.

Die richtige Zeit, um Beute zu machen

Füchse sind das ganze Jahr auf der Suche nach Nahrung. Deshalb ist es prinzipiell auch das gesamte Jahr über möglich, Füchse mittels Geräuschen von potenziellen Beutetieren anzulocken. In den meisten Bundesländern Deutschlands herrscht in einigen Monaten des Jahres Jagdruhe auf Reineke, da er in dieser Schonzeit genießt. In dieser Zeit ist dann natürlich auch die Reizjagd tabu. Ab August beginnt in vielen Bundesländern die Jagdzeit auf Füchse. Zu dieser Jahreszeit im Hochsommer gibt es im Revier eine Fülle an Fraß für Füchse. Mäusepopulationen befinden sich auf dem Zenit ihrer alljährlichen Entwicklung. Jungtiere von zahlreichen Wildtierarten wachsen zu dieser Zeit auf und auch Früchte gibt es vielerorts in Hülle und Fülle. Füchse haben zu dieser Jahreszeit deshalb meist keinen Engpass an Fraß. Sie können sich in aller Regel die überall im Revier problemlos bedienen. Deshalb ist die Reizjagd in den Sommer- und ersten Herbstmonaten im Vergleich zur kargen Winterzeit relativ schwierig. Meist stehen Rotröcke zu dieser Jahreszeit dem musizierenden Jäger zu, weil die ausgesprochene Neugier die Rotröcke dazu antreibt. Von Hunger kann hier in den meisten Fällen keinesfalls die Rede sein.

Im weiteren Verlauf des Jagdjahres wird die Reizjagd dann immer beuteträchtiger. Natürliche Quellen für Fraß nehmen ab. Füchse leiden in der Regel in unseren durchschnittlichen deutschen Revieren keinen Hunger. Doch um an Beute zu gelangen, müssen sich Füchse zunehmend mehr im Revier bewegen und der Zeitaufwand für die Suche nach Fraß wird zunehmend größer. Dieser Umstand erhöht die Attraktivität von Geräuschen potenzieller Beutetiere massiv. Kurzum: Füchse stehen bei der Reizjagd in Herbst und vor allem Winter meist deutlich besser zu. Eine Ausnahme in dieser Zeit ist jedoch die Ranzzeit. Während der Ranz nimmt die Attraktivität von Fraß für Füchse ab. Verlassene Luderplätze sind in der Ranz keine Seltenheit. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der Jäger selbst mit der tragischsten Strophe aus der Hasenklage keinen Fuchs zum Zustehen bewegen kann.

Doch keine Regel ohne Ausnahmen! So kann es durchaus sein, dass in der Ranz Füchse dem reizenden Jäger wie von der Tarantel gestochen zustehen. Im umgekehrten Fall kann es jedoch genauso gut sein, dass selbst im kargen Winter mit eisigen Temperaturen und Schneelage der Fuchs den auf der Hasenklage klagenden Jäger vollkommen ignoriert, obwohl er lediglich 200 Meter am Sitz entfernt vorbeischnürt. Ich habe in Vergangenheit sehr unterschiedliche Reaktionen auf die Geräusche aus Hasen-, Kaninchen-, Vogelklage oder Mauspfeifchen beobachtet. Während einige Füchse im Moment des Musizierens umgehend die Richtung des Jägers einschlugen und in zügigem Tempo dorthin eilten, gab es andere Füchse, die auf die klagende Musik hin auf dem Absatz kehrt machten und Reißaus nahmen. Ein Muster habe ich dabei bis heute nicht erkennen können. Scheinbar ist es tagesformabhängig, wie ein Fuchs auf die leidvollen Geräusche reagiert.

Qual der Wahl – das richtige Instrument für die Reizjagd auf Füchse

Auf dem Markt sind unterschiedliche Instrumente für die Reizjagd auf Füchse zu bekommen. Allesamt imitieren ein sterbendes bzw. leidendes oder verletztes potenzielles Beutetier. Gängige Reizjagdinstrumente sind:

  • Hasenklage
  • Kaninchenklage
  • Vogelangstgeschrei
  • Mauspfeifchen

Ich habe alle dieser Instrumente selbst getestet und in unterschiedlicher Häufigkeit bis heute im Einsatz. Als eine der ersten Fragen schoss mir damals in den Kopf, ob ich beispielsweise eine Kaninchenklage benutzen kann, obwohl im Revier gar keine Karnickel vorkommen. Die kurze Antwort: Ja, das ist kein Problem. Füchse stehen einem mit der Kaninchenklage musizierenden Jäger auch in Revieren gänzlich ohne Karnickel zu. Beim Einsatz unterscheiden sich die Locker jedoch aus meiner Sicht deutlich. Dies beginnt bereits bei der Lautstärke der Instrumente. Das lauteste Instrument aus der zuvor genannten Aufzählung ist die Hasenklage. Die Hasenklage ist über mehrere Hundert Meter weit im Revier zu hören. Sie eignet sich somit ideal, um weite Feldbereich nach Füchsen „abzuklopfen“ oder den Fuchs aus dem weit entfernten Tageseinstand zu locken. Kaninchen- sowie Vogelklage sind in Bezug auf die Lautstärke aus meiner Sicht ebenbürtig. Diese beiden Instrumente sind zwar leider als eine Hasenklage, jedoch deutlich lauter als ein Mauspfeifchen. Sie eignen sich somit auch ideal um weite Feldbereich nach Füchsen abzuklopfen. Mit dem Vogelangstgeschrei habe ich jedoch ambivalente Erfahrungen gemacht. So kam es bei diesem Instrument häufig dazu, dass der gereizte Fuchs blitzartig in meine Richtung schnürte. Bei etwa jedem fünften Fuchs kam es jedoch dazu, dass der Fuchs nach dem Locken blitzartig in die entgegengerichtete Richtung abrückte – und das sehr zügig. Es wirkte fast so, als ob das Geräusch den Fuchs verschreckt hatte und er dies mit panikartiger Flucht quittierte. Das Mauspfeifchen ist wohl das bekannteste Instrument aus meiner zuvor genannten Aufzählung. Zahlreiche Jäger haben dieses teils winzige Instrument bei der Raubwildjagd im Einsatz. Und das zurecht! Das Mauspfeifchen ist ein ideales Instrument für die Reizjagd auf den Fuchs. Es hat in der Regel eine nahezu magische Anziehungskraft auf Füchse und es ist durch die geringe Lautstärke nicht störend bei der nächtlichen Jagd auf Füchse.

Einsatz der Instrumente

Hat man als Jäger mehrere Instrumente bei der Reizjagd auf Füchse zur Verfügung, würde ich persönlich mit dem Mauspfeifchen anfangen. Das kleine Instrument kann sehr leise gespielt werden. Füchse, die in unmittelbarer Nähe (bis 100 Meter – ja nach Verhältnissen) zum Jäger befinden, werden bereits durch dieses für menschliche Ohren nur sehr dezente Geräusch ausreichend gereizt, um in Richtung der Geräuschquelle zuzustehen. Nach dem Einsatz des Mauspfeifchens sollte man aus meiner Sicht erst einmal 15 Minuten abwarten, bevor das kleine Geräusch erneut gespielt wird. Füchse können sich nahezu geräuschlos im Revier bewegen. Die geschickten Räuber nähern sich deshalb häufig unbemerkt uns menschlichen Jägern. Ein Fuchs, der sich nahezu unter der Kanzel des Jägers befindet, wird auf erneutes Mäuseln mit dem Mauspfeifchen häufig mit panikartiger Flucht reagieren. Deshalb: Immer die Augen Ohren offen halten bei der Reizjagd auf Füchse! Ist die zweite Arie aus dem Mauspfeifchen erklungen und sind erneut 15 bis 20 Minuten vergangen, kann Stufe 2 gestartet werden. Nun kann der Jäger zu Kaninchen- oder Vogelklage greifen. Diese beiden Instrumente sind deutlich lauter als das Mauspfeifchen. Bei der ersten Strophe auf einem der beiden Instrumente sollte der Jäger deshalb etwas Vorsicht walten. Eine Steigerung der Lautstärke kann in Strophe 2 dann immer noch angestrebt werden. Für den Einstieg des neuen Instruments reicht ein „normales“ Spielen jedoch vollkommen aus. Nach dem Spielen der ersten Strophe sollte auch hier der Jäger wieder seine Umgebung strikt im Auge behalten, um herannahende Füchse nicht zu verpassen. Nach 15 bis 20 Minuten wird dann erneut eine Strophe auf der Vogel- bzw. Hasenklage gespielt. Wieder gilt es danach die Umgebung penibel genau, nach Füchsen abzusuchen.

Zu guter Letzt kann dann die Hasenklage gezückt werden. Dieses Instrument ist nochmals deutlich lauter als die zuvor genutzten. Deshalb sollte auch dieses Instrument in der ersten Strophe nicht zu laut gespielt werden. Bei Strophe 2 muss schließlich immer noch Luft nach oben sein. Steht nach der zweiten Strophe aus der Hasenklage immer noch kein Fuchs zu, ist dies keinesfalls ein Signal zum Abbaumen! Füchse sind insbesondere in den fraßarmen Zeiten im Herbst und Winter viel auf den Läufen und legen teils weite Strecken zurück, um Leckereien zu finden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis ein Fuchs in der Nähe zum Jäger auftaucht.

Fuchs in Sicht – nun reizen

Wie bereits zuvor beschrieben, legen Füchse in fraßarmen Zeiten teils weite Strecken zurück. Bei ausreichend Sitzfleisch bekommt der Jäger somit irgendwann immer einen Fuchs in Anblick. Doch was dann? Kommt ein Fuchs in Anblick, gilt es erst einmal Ruhe zu bewahren! Füchse haben außerordentlich gut ausgeprägte Sinne. Die Rotröcke äugen sehr gut, selbst in dunklen Nächten. Ein herumhampelnder Jäger fliegt dann schnell auf. Neben dem Gesichtssinn sind insbesondere der Geruchssinn und das Gehör des Fuchses außerordentlich gut ausgeprägt. Deshalb gilt natürlich – wie aber auch in allen anderen jagdlichen Situationen – der Wind muss passen! Befindet sich der Fuchs außerhalb des Windes von einem selbst, kann dahingehend nichts passieren. Bei einem Ansitz auf einer offenen Freifläche mit Rundumblick haben wir Jäger dennoch immer das Problem, dass eine Richtung durch unsere eigene Wittrung beeinträchtigt wird. Das kann nicht verhindert werden. In der Hauptwindrichtung an den Ansitzplätzen sollte natürlich möglichst nicht der Haupteinstand des Wildes liegen. Steht beispielsweise der Wind bei Westwindlage (in zahlreichen Revieren die überwiegende Windrichtung) immer auf den Haupteinständen des Wildes, ist der Platz für die Ansitzeinrichtung falsch gewählt.

Das Gehör von Füchsen ist besonders gut ausgeprägt. Dies macht sich auch bei er Reizjagd auf den Fuchs bemerkbar. Zum einen führt dies dazu, dass Reineke das Mauspfeifchen bei guter Wetterlage selbst auf über 100 Meter vernimmt. Zum anderen kann dies jedoch auch dazu führen, dass der in der Kanzel agierende Jäger sich durch eine unbedachte Bewegung mit einem Geräusch verrät. Und das darf keinesfalls unterschätzt werden! Füchse vernehmen bei ruhigem Wetter in klaren Nächten selbst das leise Knarzen eines Sitzbrettes oder das Klirren von losen Patronen in der Jackentasche. Hat man einen Fuchs in Anblick gilt es deshalb unbedingt Geräusche zu vermeiden. Je näher sich der Rotrock zum Jäger befindet, desto ruhiger muss sich der Jäger natürlich auch verhalten.

Hat man die Chance einen Fuchs bei seinen nächtlichen Streifzügen im Gelände zu beobachten, wird man rasch Verhaltensmuster erkennen. Dies ist ungemein hilfreich, um zu entscheiden, wann man als Jäger selbst agieren kann, beziehungsweise wann man absolute Ruhe walten lassen muss. Füchse, die regungslos mit gespitzten Gehören an einem Ort verharren und mit erhobenem Kopf die Umgebung beobachten, sind häufig bereits durch irgendetwas beunruhigt bzw. an irgendetwas interessiert. Sie versuchen mit all ihren Sinnen so viele Informationen wie nur möglich einzuholen und sind deshalb besonders aufmerksam. Die Wahrscheinlich von einem so agierenden Fuchs wahrgenommen zu werden ist besonders hoch. Deshalb sollte sich der Jäger bei so agierenden Füchsen sehr vorsichtig verhalten.

Anders ist es, wenn Füchse sich zielstrebig im Gelände bewegen. Häufig schnüren die Rotröcke in solchen Situationen entlang von Wegen, Heckenstreifen oder Fahrspuren auf Feldern. In solchen Situationen scheint es häufig darum zu gehen, Strecke zu machen. Die Füchse laufen dann schnurstracks mit auf Rückenlinie getragenem Kopf in eine Richtung. Bedingt durch die zügige Fortbewegung ist die Aufmerksamkeit so agierender Füchse nicht vergleichbar mit regungslos verharrenden Rotröcken. Laute Geräusche sollten natürlich dennoch vermieden werden. Ein anderes Extrem sind Füchse, die beispielsweise nach Mäusen graben oder anderweitig abgelenkt sind. Ich habe bereits mehrfach Füchse beobachtet, die minutenlang auf offenem Feld mit den Vorderläufen im Erdreich gegraben haben. Nach einigen Augenblicken und mehrfachem Scharren mit den Vorderläufen im Erdreich, steckt der Fuchs dann immer wieder seinen kompletten Fang ins Erdreich, um Wind zu holen. So agierende Füchse sind in der Regel derart abgelenkt, dass sie ihre Umwelt nur bedingt wahrnehmen. Bei richtigem Verhalten des Jägers ist es sogar durchaus möglich, nach Mäusen grabende Füchse in offener Feldflur anzupirschen.

Die passende Waffe für die Reizjagd auf Füchse

Die passende Waffe und das geeignete Kaliber sind heiß diskutierte Themen bei nahezu jeder Jagd in Deutschland. Nicht nur deshalb darf diese Thematik auch in diesem Blogbeitrag keinesfalls fehlen. Ehemals wurde für die Ansitzjagd auf Füchse von zahlreichen Jägern die kombinierte Waffe favorisiert. Sei es die Bockbüchs- bzw. Büchsflinte (selten) oder der klassische Drilling – in vielen Waffenschränken deutscher Jäger schlummert bis heuet ein solches Schätzchen. Häufig haben diese Waffen als Kaliber im Schrotlauf das Kaliber 16/70. Als Büchsenkaliber trifft man oft auch 7x57R, 7x65R oder 9,3x74R. Spielte die Jagd auf Füchse beim ehemaligen Besitzer dieser alten Schätzchen eine Rolle kann es sogar sein, dass ein Einstecklauf in einem der Schrotläuf(e) steckt. Als Kaliber findet sich dort meist .22 lfB oder .22 Win. Mag.. Ab und an trifft man auch auf Einsteckläufe im Kaliber .22 Hornet. Um es vorwegzunehmen: Grundsätzlich kann mit allen vorgenannten Kalibern auf Füchse gejagt werden. Die Einsatzreichweite zum zu beschießenden Stück Wild sollte jedoch stets im Auge behalten werden. Nach meiner Erfahrung ist die .22 lfB nur bedingt für die Jagd auf Füchse geeignet. Keinesfalls sollte die Schussentfernung über 50 Meter sein. Nach meiner Meinung sollte der Jäger mit der .22 lfB deutlich unter 50 Meter agieren. Die .22 Win. Mag. ist da schon deutlich besser geeignet. Bis zu Entfernungen von 70 bis 80 Meter lässt sich damit auf Düchse sicher jagen – das geeignete Geschoss und ein gut eingeschossenes Gewehr vorausgesetzt. Deutlich besser ist noch die .22 Hornet. Dieses Kaliber ist den beiden vorgenannten in allen Punkten deutlich überlegen. Ich würde deshalb bei Gelegenheit immer zur .22 Hornet greifen. Schussentfernungen von um die 100 Meter sind kein Problem. Die Tötungswirkung ist mit einem passenden Geschoss bestens.

Seit einigen Jahren sind kombinierte Waffen etwas in Vergessenheit geraten. Viele Jäger setzen heute bei der Wahl der Büchse auf einen Repetierer. Selbst Neuwaffen sind da bereits unter 1.000 Euro zu haben. Häufig werden diese Büchsen in Standardkalibern (.308 Win., .30-06) geführt. Dies hat für den Schützen den Vorteil, dass die Auswahl an verschiedener Fabrikmunition sehr sehr groß ist. Zudem ist Munition in Standardkalibern deutlich günstiger als in exotischen Kalibern. Viele Argumente sprechen deshalb für diese Standards. Und auch bei der Jagd auf Füchse lassen sich Repetierer in .308 Win. Oder .30-06 problemlos führen – selbst wenn der Schütze den Balg des beschossenen Winterfuchses noch verwenden will. Natürlich hinterlässt ein kleineres Kaliber (passendes Geschoss vorausgesetzt) in der Regel weniger Beschädigungen im Balg. Dennoch kann der Balg bei passender Geschosswahl auch noch bei Schüssen mit .308 Win. Oder .30-06 verwendet werden.

Ein erlegter Fuchs liegt im Gras
Foto: Markus Lück

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Standprotokoll – nützliches Tool bei Drückjagden

Standprotokoll – nützliches Tool bei Drückjagden

Standprotokoll – nützliches Tool bei Drückjagden

Im Rahmen von Drückjagden kommt bei den Schützen häufig viel Wild in Anblick. Wenn alles passt, werden teils mehrere Stücke beschossen. Bei etwaig anfallenden Nachsuchen sind Informationen dann Gold wert. Damit diese Infos nicht verloren gehen, sollten sie bestenfalls in einem Standprotokoll festgehalten werden.

Bildmontage aus einem Hintergrundbild, auf dem Wald zu sehen ist. In der linken Bildhälfte ist ein Jäger zu erkennen. Rechts im Bild sieht man ein Standprotokoll für die Drückjagd.
Foto: Markus Lück

Alle Details werden im Standprotokoll festgehalten

Treiben bei Drückjagden sind häufig mehrere Stunden lang. Teils werden sogar mehrere Treiben an einem Tag abgehalten. Da kann man als Standschütze rasch den Überblick verlieren, was wann in Anblick kam. In diesem Wust an Eindrücken gehen teils wichtige Details verloren. Werden wichtige Informationen wie beispielsweise zum vermuteten Sitz des Treffers, der Fluchtrichtung nach dem Schuss oder ein Zeichnen eines beschossenen Stücks nicht an den Nachsuchenführer weitergegeben, kann das die Nachsuche erheblich erschweren.

Informationen frühzeitig festhalten

Insbesondere die Informationen bezüglich eines beschossenen Stücks sollten deshalb frühzeitig nach Abgabe des entsprechenden Schusses festgehalten werden. Die Erlebte liegt dann gerade erst wenige Augenblicke zurück – die Erinnerungen sind noch alle parat. Selbst Details rund um das Geschehen im Moment der Schussabgabe können dann noch sicher festgehalten werden. Ein häufig verwendetes Mittel, um dies zu tun, sind sogenannte Schützenprotokolle oder Standkarten. Diese häufig am Morgen ausgegeben leeren A4-großen Dokumente bieten ausreichend Platz für Informationen rund um Beobachtungen und möglicherweise beschossene Stücke. Standprotokolle sollten möglichst von allen Standschützen einer Drückjagd ausgefüllt werden. Denn sie bieten nicht nur Platz für Notizen rund um ein beschossenes Stück.

Wichtige Informationen für zukünftige Drückjagden

Auch Beobachtungen können dort festgehalten werden. Und diese sind für die Planung kommender Jagden wertvolle Informationen für den Jagdausrichter. So können aus den Informationen beispielsweise Rückschlüsse zur Güte des Drückjagdstandes gezogen werden. Wird auf einem Stand mehrere Jahre infolge von unterschiedlichen Schützen keine Beute gemacht, kann das ein Indiz für einen falsch positionierten Schützen sein. Windwürfe sowie Kalamitätsflächen haben unsere Revierstrukturen in vielen Bereichen Deutschlands vollkommen verändert. Bereits seit vielen Jahren bekannte Wechsel sowie stark frequentierte Einstände gingen verloren. Diese Veränderungen wirken sich natürlich auch auf Drückjagden aus. Schützen müssen an anderen Orten im Revier postiert werden, um auch zukünftig Beute zu machen. Um auf diese Veränderungen richtig reagieren zu können, sind die zuvor beschriebenen Informationen enorm wichtig. Denn sie liefern Aufschluss darüber, wo und wie sich das Wild in der veränderten Revierstruktur bewegt.

Standprotokoll – wichtig für anfallende Nachsuchen

Doch zurück zu den Informationen zu einem beschossenen Stück: Für eine möglichst gute Ausgangslage bei einer Nachsuche müssen dem Nachsuchenführer möglichst alle relevanten Informationen übergeben werden. Diese sind:

  • Zeitpunkt der Schussabgabe
  • Ort des Anschusses
  • Ungefähre Entfernung zum Stück
  • Verwendetes Kaliber und Geschoss
  • Angaben zum Stück (Wildart, Altersklasse, Geschlecht, ungefähres Gewicht)
  • Vermuteter Sitz der Kugel
  • Position des Stücks im Moment der Schussabgabe (schräg, breit, spitz …)
  • Verhalten des Stücks im Moment der Schussabgabe (flüchtig, ziehend, stehend)
  • Zeichnen des Stücks
  • Fluchtrichtung
  • Verhalten des Stücks auf der Flucht
  • Weitere Details (Kaliber, Geschoss, wahrgenommene Geräusche nach dem Schuss)

Damit all diese Informationen möglichst nicht verloren gehen, empfehle ich jedem Standschützen auf einer Drückjagd, ein Standprotokoll auszufüllen. In meiner Vorlage, die ihr hier herunterladen könnt, könnt ihr all die vorgenannten Details zu den Beobachtungen bzw. zum beschossenen Stück eintragen. In den Abbildungen könnt ihr zusätzlich den vermuteten Sitz der Kugel einzeichnen. Dieses Standprotokoll sollte möglichst zeitnah nach der Sichtung von Wild oder der Schussabgabe erfolgen, so gehen keine Informationen verloren. Nach dem Treiben bzw. nach der Jagd sollte das Standprotokoll dem Ansteller übergeben werden. Gemeinsam mit ihm sollte dann unmittelbar nach dem Treiben ein möglicherweise angefallener Anschuss markiert werden und dann an Ort und Stelle eine erste Einschätzung bezüglich des weiteren Vorgehens getroffen werden.

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