Schalldämpfer – 5 Gründe, warum ich darauf bei der Jagd nicht mehr verzichten möchte
Noch vor einigen Jahren war die Verwendung eines Schalldämpfers bei der Jagd für die meisten Jäger in Deutschland verboten. Mittlerweile ist das anders. Die Flüstertüten sind bei vielen Jägern gang und gäbe. Und das aus gutem Grund! Nachfolgend meine 5 Gründe, warum ich auf einen Schalldämpfer bei der Jagd nicht mehr verzichten will.
Foto: Markus Lück
Der eigentliche Zweck: Gehörschutz
Der Schutz des Gehörs des Schützen ist Hauptzweck eines Schalldämpfers. Viele – insbesondere ältere Jäger – belächeln heute Verfechter von Schalldämpfern an Jagdwaffen. Begründung ist dabei häufig, dass sie ja auch in der Vergangenheit ohne die Dämpfer gut zurechtgekommen wären und dieser neumodische Kram nicht gebraucht wird. Stimmt! Zwingend brauchen tut man einen Schalldämpfer an der eigenen Jagdwaffe nicht. Doch seine Gesundheit sollte einem aus meiner Sicht schon etwas wert sein. An der Laufmündung einer Büchse entsteht ein Schalldruckpegel von 140 dB und mehr. Je nach Lauflänge und verwendetem Kaliber kann dieser teils erheblich über dem Wert von 140 dB liegen.
Ab einer Laustärke von ca. 85 dB können Schädigungen des menschlichen Gehörs entstehen. Ab einem Wert von etwa 130 dB ist bereits bei kurzer Einwirkung mit einer Schädigung des Gehörs zu rechnen. Führt man sich vor Augen, dass die Skala des Schalldruckpegels nahezu exponentiell verläuft, versteht man rasch, dass die Belastung des Gehörs bei einem Schalldruckpegel von 140 dB und mehr um ein Vielfaches über der kritischen Belastungsgrenze liegt. Ein Schalldämpfer kann – je nach Modell – diesen Schalldruckpegel um 20 bis 40 dB reduzieren. Zahlreiche gängige Jagdwaffen in vielen Kalibern kommen damit ausgestattet auf einen Wert unterhalb der kritischen Marke von 130 dB.
Besseres Schießen
Keine Frage: Gute Schützen bringen auch ohne Schalldämpfer an der Büchse ihre Geschosse sicher und exakt ins Ziel. Auch ich habe über viele Jahre hinweg ohne Schalldämpfer gejagt, sind die Flüstertüten für uns Jäger doch erst seit wenigen Jahren flächendeckend erlaubt (Gesetzgebung beachten!). Doch ich persönlich finde das Schießen mit einem Schalldämpfer wesentlich angenehmer. Vielleicht ist auch dies der Grund, warum ich für mich sagen kann, dass ich mit einem Dämpfer an der Waffe in der Regel besser schieße als ohne. Aus meiner Sicht bietet sich die Nutzung eines Schalldämpfers insbesondere für Schützen an, die ohnehin einen Schießfehler haben. Sei es Schussangst, Mucken oder Reißen – ein Schalldämpfer beseitigt zwar nicht unmittelbar den Schießfehler. Er kann jedoch – bei ausreichendem Training (ggf. unter Anleitung) – ein echtes Hilfsmittel sein.
Weniger Rückstoß
Dieser Punkt ist sehr eng mit den im Abschnitt „Besseres Schießen“ erläuterten Vorteilen eines Schalldämpfers verbunden. Neben der Reduzierung des Mündungsknalls reduziert ein Schalldämpfer auch den Rückstoß einer Waffe ganz erheblich. Für mich persönlich macht dieser Umstand das Schießen deutlich angenehmer. Leichte und damit führige Waffen, wie beispielsweise Kipplaufbüchsen, können so auch in stärkeren Kalibern problemlos beherrscht werden. Auch ein nicht richtig in die Schulter gezogener Hinterschaft in einer schlechten Schussposition wird so nicht direkt mit einem blauen Fleck auf der Schulter des Schützen quittiert. Und auch auf dem Schießstand oder im Schießkino darf dieser Vorteil aus meiner Sicht keinesfalls vergessen werden. Hohe Schussserien sorgen häufig für schmerzende Schultern bei den Schützen. Mit einem Schalldämpfer ausgerüstet kann der Schießstandbesuch so deutlich angenehmer werden.
Weniger Störung für Mensch und Tier
Im einigen anderen Ländern ist die Nutzung eines Schalldämpfers bei der Jagd bereits seit vielen Jahren gang und gäbe. Deshalb gab es bereits in der Vergangenheit immer mal wieder Jäger, die in Stammtischgesprächen von ihrer letzten Jagdreise berichtet hatten und dabei auf die Nutzung eines Schalldämpfers zu sprechen kamen. Immer wieder wurde dabei berichtet, dass im Umkreis des beschossenen Stückes verhoffende Stücke auf den zuvor abgegebenen Schuss hin nicht unmittelbar mit panikartiger Flucht reagierten. Vielmehr verhofften die verbliebenden Stücke auch weiterhin an Ort und Stelle und versuchten die Situation zunächst zu sondieren.
Ich kann diesen Schilderungen in den meisten Situationen zustimmen, wenn denn einige andere Voraussetzungen gegeben sind. Zum einen sollte das beschossene Stück unmittelbar am Anschuss verenden und kein Schlegeln zeigen. Weiterhin dürfen die verbliebenen Stücke den Schuss nicht mit dem menschlichen Jäger in Verbindung bringen. Häufig passiert dies, da das nach dem Schuss notwendige Repetieren zu laut war und die Stücke den Jäger erblicken. Dann reagieren diese mit panikartiger Flucht. Deshalb: Mit ein wenig Übung kann man sehr schnell repetieren. So gehen die Geräusche des Repetiervorgangs in dem verhallenden, gedämpften Knall unter. Der Jäger bleibt dann in der Regel unentdeckt.
Weiterhin sollte sich der Jäger nach dem Schuss nicht unnötig viel bewegen. Bis auf die für den Nachladevorgang notwendigen Bewegungen sollten alle weiteren Aktionen des Jägers vermieden werden. Durch die beschriebenen Verhaltensmuster wird die Störung der verbliebenen Stücke erheblich reduziert.
Doch auf für unsere Mitmenschen fällt die Störung bei Verwendung eines Schalldämpfers erheblich geringer aus. Wir Jäger jagen zum Teil in siedlungsnahen Revieren oder nahe von viel frequentierten Wander- und Radwegen. Nutzt der Jäger zur Schussabgabe in diesen Bereichen einen Schalldämpfer werden alle Menschen in diesen Bereichen deutlich weniger gestört und der Jäger bleibt häufig sogar unentdeckt.
Kaum bzw. kein Mündungsfeuer
Wohl jeder Jäger kennt es, der bereits in den dunklen Nachtstunden auf Sauen oder Raubwild gejagt hat: Nach dem Schuss ist man als Schütze derart stark vom Mündungsfeuer geblendet, sodass ein „durch das Feuer blicken“ nahezu unmöglich ist. Eine weitere Beobachtung der Situation, des umliegenden Geländes oder des beschossenen Stücks ist somit kaum möglich. Das ist ärgerlich. Denn so gehen wertvolle Informationen verloren, die das Einschätzen bzgl. einer etwaigen Nachsuche ermöglichen.
Abhilfe in solchen Situationen schafft die Nutzung eines Schalldämpfers an der eigenen Büchse. Denn durch den Dämpfer wird das Mündungsfeuer an der Laufmündung erheblich reduziert bzw. sogar vollständig beseitigt. Der Schütze ist somit problemlos in der Lage, nach der Schussabgabe sein Umfeld weiterhin gut im Blick zu behalten.
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