Höchster Feldhasenbesatz seit 20 Jahren

25. März. 2024

Jedes Jahr rücken Jägerinnen und Jäger landauf landab mit Scheinwerfern zur Hasenzählung aus. So auch im vergangenen Jahr 2023. Und bei der zurückliegenden Zählung gab es ein absolutes Rekordergebnis, wie der Deutsche Jagdverband heute mitteilte.

Ein einzelner Hase sitzt auf einer Wiese am Heckenrand.

Foto: Grell/Deutscher Jagdverband

Im vergangenen Jahr 2023 lebten im Frühjahr in Deutschland im Schnitt 19 Feldhasen pro Quadratkilometer auf Feldern und Wiesen. Dies teilte der Deutsche Jagdverband in einer Pressemitteilung vom heutigen Montag mit. Das ist der höchste Wert seit Beginn des Feldhasenmonitoring vor zwei Jahrzehnten. Gezählt haben Jägerinnen und Jäger im Frühjahr 2023 in über 400 Referenzgebieten – und zwar nachts mit genormten Scheinwerfern auf genau festgelegten Strecken. Im Vergleich zum vorangegangenen Frühjahr sind die Feldhasenbesätze um 3 Tiere pro Quadratkilometer gestiegen, haben Wissenschaftler ausgewertet. Die meisten Feldhasen leben im Nordwestdeutschen Tiefland, dort sind es durchschnittlich 28 Tiere pro Quadratkilometer. Diese vorläufigen Ergebnisse aus dem Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) hat der Deutsche Jagdverband (DJV) heute veröffentlicht.

Guter Zuwachs im Nord- und Südwesten

Jägerinnen und Jäger zählen im Frühjahr und Herbst. Aus der Differenz ergibt sich die Nettozuwachsrate – ein Maß für die Entwicklung der Population in einem Gebiet. Bundesweit lag der Wert für 2023 bei 15 Prozent – das sind 2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Besonders hoch fällt die Nettozuwachsrate im Süden und Südwesten Deutschlands aus. Dort war es laut Deutschem Wetterdienst ausgesprochen warm und sonnig. Im Nordosten und Osten war es warm, allerdings wechselten sich starke Trockenheit und Regenereignisse ab. Nach Angaben der Meteorologen war 2023 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 mit milden Temperaturen bis in den September, jedoch mit niederschlagsreichen Perioden. Für Feldhasennachwuchs ist nasskalte Witterung in den ersten zwei Lebenswochen bedrohlich. 

Hasenapotheke ist wichtig

Als ursprünglicher Steppenbewohner benötigt der Feldhase eine strukturreiche Offenlandfläche. Besonders Brachen mit unterschiedlichen Wildkräutern sind essenziell als Futtergrundlage. Die sogenannte Hasenapotheke umfasst mehrere Dutzend Wildpflanzen wie Baldrian, Löwenzahn oder Wilde Möhre. Die tatsächliche Umsetzung von vier Prozent Brachfläche für bestimmte landwirtschaftliche Betriebe, die von der Europäischen Union bereits 2023 beschlossenen wurde, wären ein Zugewinn für die Artenvielfalt. Das Aussetzen dieser Auflagen führt tendenziell zu weniger Lebensraum für Feldhase, Rebhuhn oder Feldlerche.

Artenschutz gemeinsam mit Landwirten

Entscheidend für eine Steigerung von Artenvielfalt und Artenschutz sind Maßnahmen, von denen Insekten, Feldvögel, Wildtiere und Landwirtschaft gleichermaßen langfristig profitieren. Eine konkrete Maßnahme könnte beispielsweise der Anbau von Wildpflanzen statt Mais zur Biogaserzeugung sein – als produktionsintegrierte Maßnahme. Auch mehrjährige Brachen mit heimischen Wildpflanzen, Altgrasstreifen und mehrjährige Blühstreifen begrüßt der DJV. Modellprojekte wie die Allianz für Niederwild (Landesjagdverband Baden-Württemberg) oder das Kooperationsprojekt „Bunte Biomasse“ (Veolia Stiftung, Deutsche Wildtier Stiftung und DJV) zeigen: Es gibt verschiedene praxistaugliche Maßnahmen, die Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen.

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